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Motorische Fähigkeiten

Schnelligkeit gehört zu den Motorischen Fähigkeiten

Begriffsbestimmungen zur motorischen Leistungsfähigkeit

Motorik bezeichnet die Gesamtheit aller Steuerungs- und Funktionsprozesse, die der Haltung und Bewegung zugrunde liegen (Bös & Mechling, 1983). Unter einer Fähigkeit wird eine „relativ stabile intrapersonale Bedingung als Leistungsvoraussetzung zum Tätigkeitsvollzug“ (Wick, 2005, S.99) verstanden. Diese Voraussetzung ist sowohl von genetischen als auch extragenetischen Einflüssen geprägt.

Als sportliche Leistungsfähigkeit bezeichnet man den Ausprägungsgrad einer bestimmten sportmotorischen Leistung, die aufgrund eines komplexen Bindegefüges von einer Vielzahl spezifischer Faktoren bestimmt wird (Weineck, 2004). Sie ist nach Martin, Nicolaus, Ostrowski & Rost (1999) das beobachtbare, messbare und analysierbare äußere Erscheinungsbild einer sportlichen Leistung.

Die Qualität einer beobachtbaren Bewegungsleistung wird durch die Qualität und Ausprägung der motorischen Fähigkeiten bestimmt, die durch sportmotorische Tests erfasst werden. Sie basieren auf der Messung der beobachtbaren Ebene von Bewegungsfertigkeiten, durch die auf die Ausprägung der motorischen Fähigkeiten geschlossen werden kann.

Motorische Fertigkeiten sind also die sichtbaren Vollzüge von Bewegungen und werden in Grundfertigkeiten wie Laufen, Springen und Werfen sowie komplexe sportmotorische Fertigkeiten wie Dribbeln, Passen oder Rad fahren unterteilt. Für das jeweilige Ausführungsniveau sind die motorischen Fähigkeiten Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Koordination und Beweglichkeit verantwortlich (Bös, 2006).

Ebenen der motorischen Leistungsfähigkeit

Bös (1987 zit. n. Bös, 2006) differenziert die motorischen Fähigkeiten auf drei Ebenen. Auf der ersten unterscheidet er zwischen den energetisch determinierten, konditionellen Fähigkeiten und den informationsorientierten, koordinativen Fähigkeiten.

In der folgenden Ebene werden die motorischen Hauptbeanspruchungsformen Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination entsprechend zugeordnet und gliedern sich in der dritten Ebene nochmals in neun Fähigkeitskomponenten (aerobe Ausdauer, anaerobe Ausdauer, Kraftausdauer, Maximalkraft, Schnellkraft, Aktionsschnelligkeit, Reaktionsschnelligkeit, Koordination unter Zeitdruck, Koordination bei Präzisionsaufgaben) auf. Die Beweglichkeit, als passives System der Energieübertragung, wird in Abbildung 2 weder den koordinativen, noch den konditionellen Fähigkeiten zugeordnet.

Differenzierung motorischer Fähigkeiten

Abb.2 : Differenzierung motorischer Fähigkeiten (Bös, 1987 nach Bös, 2006, S.87)

Ebenen der motorischen Leistungsfähigkeit

Während Bös & Mechling (1983) die Beweglichkeit ebenfalls nicht zu den motorischen Fähigkeiten zählen, wird sie von Weineck (2007), Martin, Carl & Lehnertz (1991), Martin et al. (1999) und Schnabel et al. (1997) als solche anerkannt. Hohmann et al. (2003) stellen in ihrem Modell (vgl. Abb.3) heraus, dass bei den motorischen Grundeigenschaften Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit Wechselbezüge zwischen koordinativen und konditionellen Fähigkeiten bestehen, sodass bei deren Zuordnung Grauzonen, im Sinne von Übergangsbereichen, entstehen. Die Kraft, Schnelligkeit sowie die Beweglichkeit können weder den rein konditionellen, noch den rein koordinativen Fähigkeiten zugeschrieben werden (Hohmann et al., 2003).

Systematik der Kondition und Koordination unter besonderer Berücksichtigung der Wechselbezüge bei der Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit

Abb.2 : Übergangsbereiche zwischen konditionellen und koordinativen Fähigkeiten (Hohmann et al., 2003)

Ausdauer

Ausdauer wird als psychische und physische Ermüdungswiderstandsfähigkeit definiert. Zusätzlich wird ihr die zentrale Rolle der Regenerationsfähigkeit nach ermüdenden Belastungen zugeschrieben.

Die Systematisierung der Ausdauer kann nach dem Umfang der eingesetzten Muskulatur (global, regional, lokal), der Belastungsdauer (Kurz-, Mittel- und Langzeitausdauer) oder der Art der vorrangigen Energiebereitstellung (aerob, anaerob) erfolgen (Conzelmann, 1994, Hohmann et al., 2003).

Die aerobe Energiebereitstellung ist durch die Bildung von Energieträgern unter Verbrauch von Sauerstoff gekennzeichnet; im Gegensatz zur anaeroben Energiegewinnung, die unter Ausschluss von Sauerstoff bei intensiven Belastungen stattfindet und eine Anhäufung von Laktat im Blut nach sich zieht (Hohmann, 2003). Eine ausgeprägte Ausdauerleistungsfähigkeit ist in der Lage die Gesundheit vielschichtig zu fördern.

Kraft

„Kraftfähigkeiten basieren auf neuromuskulären Voraussetzungen und generieren Muskelleistungen bei Krafteinsätzen in definierten sportlichen Bewegungsabläufen mit Werten, die über 30% der jeweils individuell realisierbaren Maxima liegen“ (Martin et al. 1999, S. 106). Aus sportmethodischer Sicht kann zwischen verschiedenen Erscheinungsformen der Kraft wie beispielsweise Sprung-, Sprint- oder Wurfkraft unterschieden werden (Hohmann et al., 2003). Auch wenn das Ausdauertraining aus gesundheitlicher Perspektive für das Herz-Kreislaufsystem nicht zu ersetzen ist, gewinnt das Krafttraining in der Kardiologie und im Herz-Kreislauftraining zunehmend an Bedeutung (Meyer & Foster, 2004).

Schnelligkeit

„Schnelligkeitsfähigkeiten zeigen sich im Zusammenhang mit komplexen sportlichen Leistungen darin, auf Reize oder Signale hin schnellstmöglich zu reagieren und/oder Bewegungen bei geringen Widerständen mit höchster Geschwindigkeit durchzuführen“ (Martin et al., 1991, S.147). Der Schnelligkeit und der Kraft kann das Nerv-Muskelsystem als determinierender Faktor zugeschrieben werden (Schmidtbleicher, 1994).

Koordination

Der Begriff Koordination ist die Sammelbezeichnung für die koordinativen Fähigkeiten (Hohmann, 2003), die „relativ verfestigte und generalisierte Verlaufsqualitäten spezifischer Bewegungssteuerungsprozesse und Leistungsvoraussetzungen zur Bewältigung dominant koordinativer Leistungsanforderungen“ (Martin et al., 1999, S.83) darstellen. Zu den koordinativen Fähigkeiten gehören nach Hirtz (1985) die Reaktions-, Rhythmisierungs-, Gleichgewichts-, räumliche Orientierungs- sowie kinästhetische Differenzierungsfähigkeit. Diese Fähigkeiten ermöglichen Bewegungen mit hoher Qualität auszuführen, was im sportlichen Kontext (Hohmann, 2003) und im täglichen Leben von großer Bedeutung ist (Pfeifer, Grigereit & Banzer, 1998).

Beweglichkeit

„Beweglichkeit ist die Fähigkeit, Bewegungen willkürlich und gezielt mit der erforderlichen bzw. optimalen Schwingungsweite der beteiligten Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder ausführen zu können“ (Martin et al., 1991, S.214). Sie ist ebenfalls für die Qualität der Bewegungshandlungen mitverantwortlich. Nach Hohmann (2003) setzt sich die Beweglichkeit aus den Komponenten Gelenkigkeit, die von den passiven Funktionssystemen abhängt und zum großen Teil genetisch vorgegeben ist und der Dehnfähigkeit zusammen, bei der neuromuskuläre Bedingungen eine große Rolle spielen. Die Gelenkigkeit ist durch die Konstitution der Person geprägt und lässt sich kaum verbessern. Der höhere Effekt eines Beweglichkeitstrainings wird durch die Dehnung der Muskeln, Sehen und Bänder erreicht. Durch ein funktionales Beweglichkeitstraining kann der muskulären Längenabnahme entgegengewirkt werden (Martin et al., 1999).

Zusammenhänge und Wechselbeziehungen der motorischen Fähigkeiten

Martin et al. (1999) berichtet über Praxiserfahrungen, die gezeigt haben, dass mit der Verbesserung in einem bestimmten Fähigkeitsbereich, eine Leistungssteigerung der anderen motorischen Fähigkeiten einhergeht. Diese Theorie basiert auf der Erkenntnis, dass Leistungsanforderungen zu keiner isolierten, sondern allenfalls zu einer akzentuierten Inanspruchnahme von Leistungsvoraussetzungen führen.

Die Übertragbarkeit der Leistungsentwicklungen lässt sich statistisch nachweisen. Pahlke (1999a) bestätigt die Wechselwirkungen der einzelnen motorischen Fähigkeiten untereinander und stellt Beziehungen zwischen der Schnelligkeit und den Fähigkeiten Kraft, Koordination und Ausdauer her. Ohne Beteiligung von Kraft und Koordination ist eine Ausführung von Bewegungsschnelligkeit undenkbar. Jede Bewegungshandlung weist ein Mindestmaß an Kraft auf und muss koordiniert sein. Verbesserungen in den Kraftfähigkeiten und/oder in der Koordination gehen mit einem Schnelligkeitsgewinn einher (Pahlke, 1999b).

Besonders hohe Korrelationen konnten zwischen der Schnelligkeits- und der Schnellkraftfähigkeit festgestellt werden (Martin et al., 1999). Schmidtbleicher (1994) stellte ebenfalls hohe statistische Zusammenhänge zwischen Kraft- und Schnelligkeitsfähigkeiten fest.

Zwischen der Ausdauerfähigkeit und den weiteren motorischen Fähigkeiten zeigte sich ebenfalls eine enge Verbindung, sodass der Ermüdungswiderstandsfähigkeit eine hohe fähigkeitsübergreifende Bedeutung zugeschrieben werden kann (Martin et al., 1999).

Ausdauerbelastungen beanspruchen den Organismus universell und können nur realisiert werden, wenn andere Fähigkeiten in den Bewegungsvollzug integriert sind. Die Entwicklungsreize für die Kraft und die Schnelligkeit nehmen beim Training von der Schnelligkeits- bis zur Langzeitausdauer ab; dennoch ist die Ausdauer nicht isoliert trainierbar. Bei untrainierten Schülern, die sich Ausdauerbelastungen unterzogen, ergaben sich Leistungszuwächse in der Kraft, der Schnelligkeit und den koordinativen Fähigkeiten (Pahlke, 1999a).

In der Beweglichkeit, die nach Bös & Mechling (1983) auch nicht zu den motorischen Fähigkeiten gezählt wird, konnten solche Übertragungs-Phänomene bisher nicht nachgewiesen werden. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Beweglichkeit für die Qualität einer Bewegungshandlung zwar mitverantwortlich ist, aber meist keinen leistungslimitierenden Faktor bei sportlichen Handlungen darstellt (Hohmann et al., 2003, Bös & Mechling, 1983).

Dieser Artikel ist ein Auszug einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit mit dem Titel: „Zusammenhang zwischen der Ruheherzschlagfrequenz und der motorischen Leistungsfähigkeit im Schulkindalter“ - Autor: Julian Bergmann
Die gesamte Arbeit inklusive des Quellenverzeichnisses findest du hier.

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