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Kostenentwicklung im Gesundheitssystem

Kostenentwicklung im Gesundheitssystem

In den vergangenen Jahrzehnten sind die Ausgaben für Gesundheitsleistungen stetig gestiegen (vgl. Nagel, 2007, S. 91). Dies ist nicht zuletzt dem demographischen Wandel und der medizinisch-technischen Entwicklung geschuldet. Aus der anschließenden Tabelle 1 kann entnommen werden, dass die Ausgaben für Gesundheitsleistungen von 235,7 Mrd. Euro im Jahr 2003 auf 314,9 Mrd. Euro im Jahr 2013 gestiegen sind. Sie belegt die steigende Kostenentwicklung im Gesundheitssystem.

Ausgaben für Gesundheit

Tabelle: Ausgaben für Gesundheit, Bundesministerium für Gesundheit (2015, S. 155)

Die folgende Abbildung von Marckmann verdeutlicht, wie sich die Veränderungen im Gesundheitswesen aufeinander auswirken.

Bedingungen der Mittelknappheit im Gesundheitswesen

Abbildung: Bedingungen der Mittelknappheit im Gesundheitswesen und Strategien zum Umgang mit der Mittelknappheit, Marckmann (2008, S. 890)

Der Trend der Ausgabensteigerung setze sich weiter fort, denn bedingt durch den demographischen Wandel und den medizinisch-technischen Fortschritt leben die Menschen länger. Dies hat zur Folge, dass die Krankheitskosten nicht mehr Erwerbstätiger über einen längeren Zeitraum von einer abnehmenden Anzahl Erwerbstätiger mitfinanziert werden müssen. Die steigende Anzahl von nicht mehr Erwerbstätigen hat zugleich zur Folge, dass die Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen steigt, da das Alter mit der Multimorbidität korreliere (vgl. Bräuninger et al., 2007, S. 9).

Es stellt sich zudem auch heraus, dass es nicht die Preissteigerung von medizinischen Leistungen ist, welche die hohen Kosten verursacht, sondern die steigende Anzahl der Inanspruchnahme von Leistungen (vgl. Jachertz, Rieser, 2007, S. 22). Ein Problem bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen besteht dann, wenn die Versicherungsnehmer keinen finanziellen Bezug zu den von ihnen in Anspruch genommenen Leistungen haben. Es kann dazu führen, dass sie von Leistungen Gebrauch machen, die unter Umständen nicht nötig sind. Diese nicht-induzierte Inanspruchnahme wird von der Solidargemeinschaft getragen und ist dann als kritisch zu betrachten, wenn die Inanspruchnahme steigt, jedoch nicht die Zahlungsbereitschaft für Gesundheitsleistungen, Zusatzversicherungen oder der Versicherungsprämie.

Durch diverse Maßnahmen wie z.B. die Praxisgebühr oder auch dem Risikostrukturausgleich, konnte die finanzielle Lage der Krankenversicherungen verbessert werden. Jedoch: „[n]och nie sei im „Gesundheitstopf“ so viel Geld gewesen wie heute, und dennoch reiche es nicht, weil die Nachfrage steigt und steigt“ (Jachertz, Rieser, 2007, S. 25). Aufgrund der oben dargestellten Diskrepanz zwischen Einnahmen und Ausgaben entstehen Finanzlücken, denen auf diverse Arten begegnet werden kann. Zum einen kann die Erhöhung der Einnahmeseite realisiert werden, indem man die Beitragsbemessungsgrenze für Privatversicherungen anhebt.

Dies führt dazu, dass mehr Arbeitnehmer in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert sind und dementsprechend mehr und höhere Einzahlungen in den Gesundheitstopf generiert werden können. Zum anderen wäre es eine Möglichkeit, die Beiträge für die Krankenversicherung und Sozialabgaben zu erhöhen. Dies ist allerdings schwierig umzusetzen, da die Zahlungsbereitschaft für Gesundheitsleistungen endlich ist. Der Beitragssatz kann demzufolge nicht wiederholt gesteigert werden. (vgl. Marckmann, 2008, S. 890)

Auch die Möglichkeit einer Strukturveränderung des Gesundheitswesens sei denkbar. So werde eine Umstellung vom Solidarprinzip hin zu einer Kopfpauschale oder einer Bürgerversicherung schon länger diskutiert. Die Kopfpauschale finanziert sich durch einen einkommensunabhängigen Festbetrag, dessen Höhe zwischen den Krankenversicherungen variieren kann. Dieser Betrag soll im Rahmen einer Pflichtversicherung von jedem Bürger gezahlt werden. Wenn es aufgrund von Sozialhilfeanspruch oder einem zu geringen Einkommen nicht möglich ist den festgelegten Betrag eigenständig zu finanzieren, wird der Staat durch Unterstützungszahlungen helfen.

Dahingegen wird die Bürgerversicherung, wie auch das jetzige Gesundheitssystem, über einkommensabhängige Beiträge finanziert, jedoch wird der Versichertenkreis auf die gesamte Bevölkerung ausgedehnt. (vgl. Strengmann-Kuhn, 2005, S. 12)

Neben der Erhöhung der Einnahmeseite bietet sich auch die Möglichkeit, die Ausgaben zu verringern und so die finanzielle Balance im Sozialversicherungssystem zu erreichen. Um die Ausgaben im Gesundheitssystem zu reduzieren, bieten sich die Möglichkeit der Rationalisierung, Priorisierung und Rationierung an.

Dieser Artikel ist ein Auszug einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit mit dem Titel: „Rationierung im Gesundheitswesen – Ein Vergleich zwischen impliziter und expliziter Rationierung“ - Autor: Dörte Ciesla
Die gesamte Arbeit inklusive des Quellenverzeichnisses findest du hier.

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