Bereich: Muskulatur

Der Semimembranosus gehört zu einer Gruppe von Muskeln, die Hamstrings genannt werden.

Er befindet sich auf der postero-medialen Seite des Oberschenkels tief neben dem Semitendinosus und medial zum Biceps Femoris.

Sein Ursprung ist der Sitzbeinhöcker am unteren Becken und er hat einen komplexen distalen Ansatz, der mit dem Popliteus-Muskel, dem medialen Meniskus, dem medialen Kollateralband und dem Schienbein verbunden ist.

Im unteren Teil des Oberschenkels bilden Semitendinosus und Semimembranosus zusammen die obere mediale Begrenzung der Kniekehle.

Seine Hauptfunktionen sind

  • Kniebeugung,
  • Innenrotation des Knies und
  • Hüftstreckung.

Er spielt auch eine wichtige Rolle bei der Stabilität des Knies. Die distale Semimembranosus-Sehne ist ein wichtiger Bestandteil der posteromedialen Ecke des Knies.

Ursprung

Eine starke Membransehne setzt an der oberen lateralen Facette am rauen Teil des Sitzbeinhöckers an.

Ansatz

Die Anatomie des distalen Ansatzes der Semimembranosus-Sehne kann als distaler Semimembranosus-Komplex bezeichnet werden.

Tatsächlich lassen sich sechs verschiedene Semimembranosus-Ansätze identifizieren.

Ansatzstellen:

  • Der direkte Arm setzt in einer Rinne an der posteromedialen Seite des Schienbeins an.
  • Der vordere Arm verläuft weiter anterior und setzt an der Tibia tief am medialen Seitenband an.
  • Ein breiter Teil geht in das Ligamentum popliteale obliquum über, das entlang der hinteren Kapsel des Knies verläuft.
  • Der Ansatz, der auf die Komponenten des hinteren Kreuzbandes gerichtet ist, wird als Kapselarm bezeichnet. Das gesamte hintere Kreuzband ist untrennbar mit der Kapsel verbunden
  • Ein kurzer Meniskusarm setzt am Ligamentum meniscotibiale des Hinterhorns des medialen Meniskus an.
  • Ein distaler Arm erstreckt sich auch über den Popliteus-Muskel und seine Aponeurose. Es handelt sich um eine faszienähnliche Struktur, die von der unteren Seite des direkten Arms über den Popliteus-Muskel verläuft.
  • Es wurden zusätzliche Verbindungen zur hinteren Kapsel und zum lateralen Meniskus berichtet. Tatsächlich wurde bei 43% der untersuchten Knie ein sehniger Ast des Semimembranosus gefunden, der in das Hinterhorn des lateralen Meniskus eintritt (Kim et al. 1997).
  • Ein Schleimbeutel trennt den Muskel vom medialen Kopf des Schienbeins und dem medialen Kopf des Gastrocnemius.

Innervation

Tibialer Anteil des Ischiasnervs, n. tibialis (L5, S1 und S2).

Arterielle Versorgung

Äste der Arteria iliaca interna, der Arteria poplitea und der Arteria profunda femoris.

Funktion

Funktionelle Bewegungen:

  • Aufstehen aus dem Sitzen
  • Die Treppe hinaufgehen
  • Sprung aus dem Stand nach vorne
  • Aus dem Stand nach oben springen

Die Funktionen des Semimembranosus lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Die Hamstrings spielen generell eine Rolle bei der Hüftstreckung und der Kniebeugung.

Ansonsten ist der Semimembranosus allein ein Hüftstrecker und ein Kniebeuger (sowie ein schwacher Innenrotator im Kniegelenk).

Bei der Kniestreckung verhindert die Semimembranosus-Sehne die Valgusstellung, während sie bei der Kniebeugung die Außenrotation verhindert.

Der distale Semimembranosus-Komplex stabilisiert die hintere Kapsel durch das Ligamentum popliteale obliquum. Bei der Kniebeugung beim Laufen zieht der Kapselarm des Semimembranosus das hintere Kreuzband aktiv an und sorgt so für dynamische Stabilität. Darüber hinaus spielt das Ligamentum popliteale obliquum eine wichtige Rolle bei der Verhinderung einer übermäßigen Außenrotation und Hyperextension des Knies sowie bei der Stärkung der Stabilität des Knies.

Der Semimembranosus wirkt synergistisch mit dem Musculus Popliteus durch die faserige Verlängerung in Richtung dieses Muskels.

Der distale Semimembranosus-Komplex zieht aktiv am Hinterhorn des medialen Meniskus und schützt ihn so davor, bei der Kniebeugung zwischen dem medialen Femurkondylus und dem hinteren medialen Tibiaplateau zerquetscht zu werden. Außerdem übt er einen Zug auf das hintere Horn des lateralen Meniskus aus, zusammen mit den Strukturen, die den Stabilisierungsmechanismus der posterolateralen Seite des Knies bilden.

Agonisten & Antagonisten

Hüftstreckung

Agonisten: Gluteus Maximus, Semitendinosus, Biceps Femoris (langer Kopf) und Adductor Magnus (hinterer Teil)

Antagonisten: Psoas Major und Iliacus

Beugung des Knies

Agonisten: Biceps femoris und Semitendinosus. Die dynamische Synergie des Semimembranosus-Komplexes und des Biceps femoris sorgt jedoch auch dafür, dass die Hinterhörner der medialen und lateralen Menisken gezogen werden.

Antagonisten: Vastus Lateralis, Vastus Medialis, Vastus Intermedius und Rectus Femoris, Gracilis, Sartorius, Popliteus, Gastrocnemius und Plantaris helfen bei der Beugung des Knies.

Innenrotation des Knies

Nur, wenn es gebeugt ist.

Agonisten: Popliteus und Semitendinosus

Synergisten: Sartorius und Gracilis unterstützen die Innenrotation des Knies, wenn das Knie gebeugt ist.

Antagonisten: Biceps femoris

Palpation

Der Semimembranosus liegt tief im Semitendinosus und ist schwer zu ertasten, kann aber bei gebeugtem Knie etwas leichter ertastet werden.

Klinische Relevanz

Hamstring-Syndrom

Diese Erkrankung betrifft häufig Sportler, die mit lokalen Schmerzen in der Nähe des Sitzbeinhöckers verbunden ist.

Man geht davon aus, dass es sich um eine Insertionstendinopathie am Sitzbein handelt. Es kann aber auch eine Kompression des Ischiasnervs vorliegen.

Die Schmerzen beim Hamstring-Syndrom strahlen in den hinteren Oberschenkel oder die Kniekehle aus und verschlimmern sich, wenn die Hamstrings angespannt sind.

Dies ist häufig bei Sprintern oder Hürdenläufern zu beobachten.

Bei der Untersuchung ist der Sitzbeinhöcker sehr empfindlich und ein Schlag auf diesen Bereich kann starke Schmerzen verursachen.

Die Behandlung umfasst Ruhe, entzündungshemmende Mittel und Steroidinjektionen.

Baker Zyste

Der Schleimbeutel, der den Muskel vom medialen Kopf des Schienbeins und dem medialen Kopf des Gastrocnemius trennt, kann sich manchmal übermäßig mit Flüssigkeit füllen.

Diese Schwellung wird als "Baker-Zyste" bezeichnet.

Hamstring-Zerrung

Die Hamstring-Zerrung ist eine häufige Verletzung bei Sportlern. Die physiotherapeutische Behandlung muss umfassend sein und sowohl physikalische Therapien als auch Kräftigungs- und Dehnungsübungen umfassen.

Quellen

  • Kim YC, Yoo WK, Chung IH, Seo JS, Tanaka S. Tendinous insertion of semimembranosus muscle into the lateral meniscus. Surg Radiol Anat. 1997;19(6):365-9.
  • Semimembranosus. (2022). Physiopedia, https://www.physio-pedia.com/index.php?title=Semimembranosus&oldid=292295.
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