Sensomotorisches Training: Warum ist es so wichtig?

Sensomotorisches Training auf Slackline

Sensomotorik setzt sich aus zwei Wortteilen zusammen: Senso bedeutet `Sinn´ und bezieht sich auf die Sinneswahrnehmungen wie sehen, hören, schmecken, fühlen und riechen. Motorik bedeutet so viel wie `Beweger´ und bezieht sich auf die gesteuerten Bewegungen des Körpers. Durch das Training soll die Koordination der sensorischen Prozesse mit den motorischen Handlungen verbessert werden. Dies sorgt für eine verbesserte inter- und intramuskuläre Koordination und kann Verletzungen vorbeugen.

Ein wichtiger Bestandteil beim sensomotorischen Training sind die Propriozeptoren. Das sind Rezeptoren, die in den Gelenken oder der Muskulatur liegen und dem Gehirn melden, in welcher Stellung sich das Gelenk gerade befindet. Ohne Propriozeption kann also kein sensomotorisches Training stattfinden.

Sensomotorisches Training als Verletzungsprophylaxe

Verletzungen geschehen häufig, weil der Körper für einen Bruchteil von Sekunden an Spannung verliert und eine plötzliche Überlastung einer Struktur auftritt (vgl. Kreuzbandriss, Supinationstrauma). Durch gute sensomotorische Fähigkeiten wird die Verletzungswahrscheinlichkeit minimiert und die Stabilität der Gelenke verbessert. Dies ist einer der Gründe, weshalb sensomotorisches Training vor allem in der Prävention eingesetzt wird.

Ausgeprägte Fähigkeiten der inter- und intramuskulären Koordination helfen, dass der Körper auf unerwartete Bewegungen besser reagieren kann. Die schnelle Rückmeldung und Verarbeitung der Bewegungsreize in Kombination mit raschen Bewegungsreaktionen, lässt die Verletzungswahrscheinlichkeit sinken.

Bei Kindern zeigt sich, dass durch Bewegungsmangel die Ausprägung der sensomotorischen Fähigkeiten stark eingeschränkt ist. So fällt es vielen schon schwer, auf einer Linie zu laufen oder rückwärts zu gehen. Aber auch das kann trainiert werden.

Sensomotorisches Training nach Verletzungen

Auch in der Rehabilitation hat sensomotorisches Training einen hohen Stellenwert. Ist die Akutphase der Verletzung abgeklungen und es kann mit Krafttraining begonnen werden, wird angeraten, die inter- und intramuskuläre Koordination zu trainieren. Das Training führt einerseits zu einem reibungslosen Bewegungsablauf und andererseits hilft es Folgeverletzungen vorzubeugen. Darüber hinaus unterstütz das sensomotorische Training den Körper, indem muskuläre Dysbalancen ausgeglichen werden. Auch ein Grund, warum diese Trainingsform mehr in den Freizeit- und Breitensport eingegliedert werden sollte.

In der Sporttherapie wird das Training häufig mit Hilfsmitteln wie Therapiekreiseln, Pezzibällen, Airexmatten oder ähnlichem durchgeführt. Es reicht meist schon, sich in den Einbeinstand zu begeben und dann die Augen zu schließen. Die Wegnahme der visuellen Rückmeldungen, sorgt für ein effektives Training der Propriozeptoren, einem Bestandteil der Sensomotorik.

Sensomotorik im Krafttraining

Die verbesserte inter- und intramuskuläre Koordination sowie der Ausgleich von muskulären Dysbalancen führen auch zu positiven Effekten im Kraftsport. So sind seit Jahren Schlingentrainer in Fitnessstudios allgegenwärtig. Auch das einarmige oder einbeinige Ausüben von Kraftübungen führt zu einer Verbesserung der Koordination. Während die eine Körperseite aktiv die Bewegung ausführt, muss die andere Körperhälfte die Bewegung ausgleichen und durch die Anspannung der Muskulatur Stabilität schaffen.

In der Entwicklung neuer Trainingsgeräte werden Hersteller nie müde. So sollen sogenannte Slashpipes unter anderem die sensomotorischen Fähigkeiten verbessern. Ein ähnlicher Effekt kann aber auch erreicht werden, wenn bei einer Langhantel die Gewichte nicht fest angeklemmt, sondern über ein Seil anhängt werden.

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