Bereich: Muskulatur

Der Gluteus medius befindet sich auf der seitlichen Fläche des oberen Gesäßes, unterhalb des Beckenkamms.

Der m. gluteus medius ist breit und verjüngt sich zu seiner Ansatzsehne hin, so dass er die Form eines Fächers hat.

Der Gluteus maximus bedeckt alle Gesäßmuskeln mit Ausnahme des antero-superioren Drittels des Musculus Gluteus medius. Dieser unbedeckte Teil des Gluteus medius ist der Bereich, in den intramuskuläre Injektionen in den Gesäßmuskel gesetzt werden können.

Ursprung

Seitliche Oberfläche des Darmbeins (Os Ileum) zwischen der hinteren und vorderen Gluteallinie und der Glutealaponorose.

Dies ist ein großer Bereich, der vom Beckenkamm oben bis fast zur Ischiasfurche unten reicht.

Ansatz

Der Glutes medius ist in drei Abschnitte unterteilt, ähnlich wie der Deltamuskel des Schultergelenks:

Die Fasern des hinteren Teils verlaufen nach vorne und nach unten.

Die Fasern des mittleren Teils verlaufen nach unten.

Die Fasern des vorderen Teils verlaufen nach hinten und nach unten.

Alle Fasern verbinden sich zu einer abgeflachten Sehne, die am hinteren und seitlichen Teil des Trochanter major am Oberschenkel ansetzt.

Innervation

Der Gluteus medius wird durch den Nervus gluteus superior (Wurzel L4, L5 und S1) versorgt.

Die kutane Versorgung erfolgt hauptsächlich über L1 und L2.

Funktion

Der Gluteus medius ist der Hauptverantwortliche für die Abduktion im Hüftgelenk.

Der vordere Teil des Gluteus medius abduziert und unterstützt die Beugung und die Innenrotation der Hüfte.

Der hintere Teil des Gluteus medius abduziert und unterstützt die Streckung und die seitliche Drehung der Hüfte.

Bei der Hüftbeugung rotieren alle Teile die Hüfte nach innen und es hat sich gezeigt, dass bei einer Hüftbeugung von 90° die Hebelwirkung der medialen Rotation des Gluteus medius um das Achtfache erhöht ist (Reimann et al. 2012).

Alle Teile des Gluteus medius bewirken eine Abduktion der Hüfte, wodurch die Position der Hüfte verändert wird.

Der Gluteus medius ist ein äußerst wichtiger Muskel für die Aufrechterhaltung der Stabilität des Beckens in der Frontalebene. Er bildet mit dem ipsilateralen Tensor fascia latae und dem kontralateralen Quadratus lumborum eine seitliche Faszienschlinge, deren Hauptaufgabe es ist, die Stabilität in der Frontalebene zu gewährleisten.

Der Gluteus medius ist ein wichtiger Muskel beim Gehen, Laufen und bei der einbeinigen Gewichtsbelastung, weil er verhindert, dass die gegenüberliegende Seite des Beckens beim Gehen, Laufen und bei der einbeinigen Gewichtsbelastung abfällt. Wenn eine Gliedmaße vom Boden abgehoben wird, neigt das Becken auf dieser Seite dazu, abzusinken, weil es den Halt von unten verliert. Der Gluteus medius sorgt dafür, dass die Seite des Beckens, die absinkt, gehalten wird, damit die andere Gliedmaße für den nächsten Schritt nach vorne schwingen kann (Palastanga & Soames 2012).

Der Gluteus medius stützt das Becken auch beim Gehen, indem er mit Hilfe des Gluteus minimus und des Tensor fasciae latae eine Hüftrotation bewirkt. Umgekehrt wird die Hüfte während der Standphase durch die gleiche Seite gestützt.

Antagonisten

  • M. pectineus
  • M. adduktor magnus

Palpation

Finde die Mitte des Beckenkamms, die sich über dem Trochanter major befindet.

Zwei Finger darunter befindet sich der Großteil des Gluteus medius.

Die Kontraktion des Muskels kann durch abwechselnden Einbeinstand gespürt werden.

Klinische Relevanz

Hemmung des Gluteus medius

Wie von Vladmir Janda erwähnt, ist der Gluteus Medius einer der phasischen Muskeln, die in unserem Körper durch viele Ursachen gehemmt werden können.

Wenn der Gluteus Medius gehemmt ist, muss der Körper versuchen, dies durch andere Muskeln zu kompensieren, um die Stabilität in der Frontalebene aufrechtzuerhalten und ein Absinken des Beckens zu verhindern.

Daher nimmt die Aktivität der ipsilateralen Tensor fascia latae und des kontralateralen Quadratus lumborum zu, wodurch diese Muskeln angespannt und überaktiv werden. Janda erwähnte, dass der Quadratus lumborum und die Tensor fascia latae tonische Muskeln sind, die dazu neigen, angespannt und überaktiv zu sein.

Eine Schwäche dieses Muskels wurde mit Erkrankungen des Bewegungsapparats der unteren Gliedmaßen und mit Gangstörungen nach einem Schlaganfall in Verbindung gebracht.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen einem schwachen oder dysfunktionalen Gluteus medius und vielen Verletzungen der unteren Extremitäten wie z. B.: Trendelenburg-Gang, Illio-tibiales Bandsyndrom (ITB), Patellofemorales Schmerzsyndrom (PFSS), vordere Kreuzband Rupturen sowie andere Knie- und Knöchelverletzungen.

Trendelenburg-Gang

Das Trendelenburg-Zeichen tritt auf, wenn der Gluteus Medius aufgrund von Schmerzen, insuffizienter Ansteuerung oder Schwäche nicht effizient arbeiten kann und das Becken auf die der Schwäche entgegengesetzte Seite fällt.

Bei einem Trendelenburg-Gang wird oft eine Rumpfkompensation beobachtet. Eine sehr beeindruckende Untersuchung über die Gültigkeit des Trendelenburg-Zeichens hat gezeigt, dass der Test nicht bei gesunden Personen angewendet werden sollte, deren Gesäßmuskel eine Kraft von mehr als 30% des Körpergewichtes hat. Er kann nur bei Patienten mit ausgeprägter Schwäche angewendet werden. Das bedeutet, dass du tatsächlich einen gehemmten Gluteus medius haben könntest und das Trendelenburg-Zeichen negativ ist (Kendall et al. 2013).

Behandlung und Übungen bei Gluteus Medius Schwäche

Zuerst musst du die Ursachen für die Hemmung oder Schwäche des Gluteus medius herausfinden und versuchen, sie zu verhindern und dann versuchen, den Gluteus medius zu aktivieren.

Presswood et al. (2008) beschreiben ein progressives Programm zur Stärkung der Gluteus medius-Schwäche.

  1. Nicht belastende und grundlegende belastende Übungen wie seitliche Hüftabduktion, stehende Hüftabduktion und grundlegende einbeinige Balanceübungen. Mach Fortschritte, wenn der Patient sein Becken 30 Sekunden lang im Einbeinstand halten kann.
  2. Übungen mit Gewichtsbelastung und schrittweise Steigerung der Stabilitätsübungen, indem du (i) den Schwerpunkt durch Schritt- und/oder Hüpfübungen in die Horizontale verlagerst, (ii) die Breite der Standfläche reduzierst, (iii) die Höhe des Schwerpunkts durch Anheben der Arme und/oder Handgewichte erhöhst oder (iii) die Übungen auf instabilem Untergrund ausführst.
  3. Sportartspezifische Bewegungsmuster.
  • Reiman, M. P., Bolgla, L. A., & Loudon, J. K.. A literature review of studies evaluating gluteus maximus and gluteus medius activation during rehabilitation exercises. Physiotherapy Theory and Practice, 2012: 28(4): 257–268.
  • Palastanga N, Soames R. Anatomy and Human Movement: Structure and Function. 6th ed. London, United Kingdom: Churchill Livingstone; 2012.
  • Kendall K. D., Patel C., Wiley J. P., Pohl M. B., Emery C. A., et al. Steps Toward the Validation of the Trendelenburg Test. Clinical Journal of Sport Medicine. 2013: 23(1): 45–51.
  • Presswood, L., Cronin, J., Keogh, J. W. L., & Whatman, C. . Gluteus Medius: Applied Anatomy, Dysfunction, Assessment, and Progressive Strengthening. Strength and Conditioning Journal. October 2008 : 30(5):41–53 .
  • Gluteus Medius. (2022). Physiopedia, https://www.physio-pedia.com/index.php?title=Gluteus_Medius&oldid=299553.
Call 07732 987 92 0 ASG Hilfe
Hast Du Fragen?
Newsletter