Facebook Pixel

Deshalb fällt abnehmen so schwer

Schlanke und korpulente Frau

Viele Diäten sind nicht dafür optimiert, das Gewicht, welches kurzfristig abgenommen wurde, auch zu halten. Diese Diäten eignen sich als Langzeitstrategie nicht und sind nur kurz durchhaltbar. Meist fällt ein dauerhaftes Umstellen auf eine gesunde Lebensweise schwer – und ein Rückfallen in alte Ernährungsmuster ist vorprogrammiert. Da hilft nur, langsam und Schritt für Schritt Änderungen umzusetzen und darauf zu achten, dass die Ernährungsweise vielseitig bleibt. Nur so ist ein Erfolg langfristig gesehen möglich.
Das Körpergewicht wird über das Verhältnis von Energieabgabe und -aufnahme gesteuert. Die sogenannte Energiebilanz (= Verhältnis von Energiezufuhr zu Energieabgabe) ergibt sich aus der Anzahl, Größe und Zusammensetzung der Mahlzeiten.

Das Körpergewicht als eine regulierte Stellgröße

Die Set-Point-Theorie wurde 1972 von R. E. Nisbett entworfen. Nach seiner Theorie handelt es sich beim Körpergewicht um einen „intern“ (= durch die Gene) festgelegten Sollwert, der durch Feedbacksysteme des Körpers (z.B. Hormone) ständig kontrolliert wird. Werden vom Körper Unterschiede zwischen festgelegtem Set-Point und tatsächlichem Körpergewicht festgestellt, kommt es zu Veränderungen in der Nahrungsaufnahme oder im Stoffwechsel, um sich dem Set-Point wieder anzunähern. Der Körper strebt also ständig nach einer ausgeglichenen Energiebilanz und will das Körpergewicht stabil halten.
Im Laufe der Jahre wurde diese Theorie ständig weiterentwickelt und heute spricht man eher von „Settling-Points“. Der Set-Point ist nicht an einen festen Wert gebunden, sondern verändert sich je nach Energiezufuhr und Gewichtsverlauf und kann sich auf einen neuen Körpergewichtslevel stabilisieren. So ließe sich auch erklären, dass es manchen Menschen schwer fällt nach einer Gewichtszunahme wieder abzunehmen. Vermutlich gibt es eher eine aktive biologische (Gegen-)Regulation bei Unterernährung, die auch willkürlich übersteuert werden kann, während bei Übergewicht kein „Schutz“ zu bestehen scheint und es zu einer passiven Anpassung an das neue Körpergewicht kommt. Im Kern sagt die Set-Theorie aus, dass das Körpergewicht über biologische Regelkreise gesteuert wird und erklärt damit auch, warum das sehr stabil ist. Vermutlich ist dies evolutionsbiologisch bedingt. Nur in unserer heutigen Überflussgesellschaft erweist sich dies für manche als nachteilig.

Jeder hat sich ein Ernährungsverhalten „antrainiert“!

Im Alltag (in der Familie, Kindergarten, Schule usw.) entwickelt jeder Mensch ein in die Gewohnheit übergehendes Ernährungsverhalten, das als normal empfunden wird. Dieses Ernährungsverhalten ist ein sehr stabiles Verhalten, das sich in kurzer Zeit nicht grundlegend verändern lässt. Dies stellt natürlich in der Adipositastherapie oder bei Diäten eine Hürde dar.

Psychologische und genetische Faktoren

Körpergewicht wird nicht nur durch die Nahrungsaufnahme bestimmt, sondern auch durch psychosoziale und genetische Faktoren. Sind diese in einer Phase hauptbestimmend, so können Sie den Diäterfolg verhindern. Gibt es psychosoziale Störfaktoren, so ist ein interdisziplinäres Team aus Ärzten und Psychotherapeuten gefragt. Darüber hinaus ist die Genetik kein ultimatives Schicksal, kann aber trotzdem dazu führen, dass generelle Diätrezepte nicht wirksam sind. Dies erschwert natürlich die Suche nach einer passenden, individuellen Diätstrategie, macht sie aber nicht unmöglich.

Essen wird zur Affektregulation missbraucht

Schwierigkeiten mit den Essgewohnheiten beginnen oft schon im Kindesalter: Eltern verwenden Essen häufig leider unabhängig der kindlichen Primärbedürfnisse wie Hunger, Durst oder Sättigung zur Affektregulation. Das heißt, dass Essen bzw. Essensentzug als Belohnung, Bestrafung oder Beruhigung eingesetzt werden. Im Laufe des Lebens können diese falschen Problemlösungs- und Vermeidungsstrategien zu Schwierigkeiten in der Ernährung und bei Diäten führen.

Gesundheit ist eher unwichtig bei der Auswahl von Nahrungsmitteln

Ärzte appellieren oft an das Gesundheitsmotiv, wenn sie ihre Patienten zum Abnehmen bewegen wollen, verkennen dabei aber oft, dass dies für den Großteil der Menschen nicht zentrales Motiv ist. Genuss, Geschmack und Preis stehen im Vordergrund und verdrängen den Gesundheitsaspekt. Wichtig in der Ernährungsberatung ist also eine Aufklärung der Kunden, dass gesund und genussvoll nicht im Widerspruch stehen. Mit praktischen Tipps zur Unterstützung bei der Speisenzubereitung sowie Rezeptauswahl gelingen gesunde UND leckere Gerichte.

Es gibt nicht eine richtige Diät für alle Menschen

Es gibt nicht DIE eine Diät für alle! Generelle Empfehlungen sind immer nur bei einem Teil der Bevölkerung erfolgreich, es müssen immer individuelle Lösungen gefunden werden. Dies stellt die Hauptaufgabe in der Ernährungsberatung dar. Bei einer Diät muss immer dann die Strategie gewechselt werden, wenn der Erfolg ausbleibt oder stagniert. In so einem Fall kann dann beispielsweise das Makronährstoffverhältnis (=Zusammensetzung der Ernährung aus Kohlenhydraten, Eiweißen und Fett) geändert werden.

So klappt das Abnehmen

Ziel der Ernährungsberatung soll sein, nicht negative Auswirkungen von Verhalten zu verstärken und damit eher Abwehrmechanismen hervor zu rufen, sondern eher mit einer Art Belohnungsplan (= Token-Economy-System) zu arbeiten: Dies stellt ein Belohnungssystem dar, das eben nicht nur das Gewicht als Erfolgsparameter bestimmt, sondern auch beispielsweise verbesserte Blutfettwerte, gesteigerte Leistungsfähigkeit, erfolgreich umgesetzte Maßnahmen beim Einkaufen oder neu geknüpfte Kontakte im Sport.
Und noch ein Tipp: Kalkulieren Sie das Kaloriendefizit am Anfang nicht zu groß und teilen Sie den Abnehmprozess in mehrere Phasen ein, sodass Sie Etappen-Ziele erreichen können.

Ausbildungsvorschläge